Im siebten Himmel – Oder doch nur in Langerfeld?

wuppertal_langerfeld_-_alte_kirche_langerfeld_04_iesHeute, am 22. November 2016, spielte ich mit zugegebenermaßen niedrig gesteckten Erwartungen in der Alten Ev. Kirche in Wuppertal-Langerfeld. Im Prinzip entsprach sie schon komplett meinen Vorstellungen einer tollen Kirche. Klein, gemütlich, lutherisch.

Von der Orgel erwartete ich tatsächlich zunächst einmal nicht viel. Höchstens fünfzehn Register, Mixturen garantiert verstimmt. Doch nachdem ich diese Orgel kennenlernen durfte, ging ich nicht mit bestätigten Erwartungen heim.

Mein Besuch lässt sich nur mit einem Wort beschreiben:
Wundervoll.

Es war eigentlich nur meine Liebe zum Langerfelder Ortskern, welche mich zur Langerfelder Kirche führte. Eine kleine Kirche, wunderschön am Markt gelegen, mit einem Glockenschlag, welcher jeden Kirchenliebhaber begeistert. Ein kleinstädtischer, teilweise schon dörflicher Charakter, wie er am Langerfelder Markt herrscht, wenn man von der angrenzenden Hauptverkehrsstraße absieht.

Über die Orgel war mir anfangs nichts bekannt. Rein gar nichts. Keine Disposition, kein Bildmaterial, nicht mal irgendwelche Namen oder Jahreszahlen in den mir zur Verfügung stehenden Chroniken. So war ich darauf gefasst, eine kleine, verstaubte Orgel vorzufinden, welche eher entrüstet als begeistert. Aber es war meine Liebe zu dieser Kirche in eben jenem kleinstädtischen Milieu, welche mich einfach nicht loslassen wollte. So musste ich es einfach wagen, mich in das Ungewisse zu stürzen.

Ordentlich, gepflegt, wunderbare Akustik.

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Aus Zeitmangel (oder nennen wir es eher Begeisterung) gelang mir keine bessere Aufnahme

Als mir die Küsterin den Spieltisch öffnete, wollte ich zunächst meinen Augen nicht trauen. Pieksauber, nicht mit irgendwelchem Krempel vollgestellt (Wie die gesamte Empore, wunderbar aufgeräumt), und zu meiner Überraschung elektrische Registertrakturen. Der Motor ist kein bisschen zu hören, kein Register schlingert oder ist gar komplett defekt. Das lauteste an der Mechanik mag noch der Tremulant sein, aber auch er ist mucksmäuschenstill und im Spiel gar nicht mehr zu hören.

Die Disposition ist exquisit und genau die Richtige. Im Schwellwerk eine Auswahl von Flöten und milden Labialen, im Hauptwerk nebst Pommer 16′ (Endlich mal ein Bass im Hauptwerk) Tief-Labiale und Linguale. Die Mixtur ist rein und bis ins Detail gestimmt, und lässt sich mit jeder Art sehr gut einsetzen. Im Pedal das Übliche, vor allem eine gewaltige Posaune 16′, welche ein wenig aus dem Rahmen fällt.

Sämtliche Register sind gepflegt, kein Zischen, kein Rauschen, gestimmt und in tadellosem Zustand. Doch all dies wäre nichtig, wenn der Kirchenraum nicht so eine wunderbare Akustik hätte. Fast alle Strukturen einschließlich der Umlaufenden Empore sind komplett aus Holz, was dem gesamten nachhalllosen Charakter der Akustik richtig „gemütlich“ erscheinen lässt. Trotz des geringen Nachhalls wirkt die Akustik nicht trocken, sondern lebendig, als würde der gesamte Kirchenraum die Töne aufnehmen.

Ich bin begeistert, das merkt man. Doch es kommt noch besser: Ich durfte nunmehr einige Menschen aus dieser Gemeinde kennenlernen. Alle sind offen, freundlich und auch sehr bemüht. Das darf ich mit der Tatsache hinterlegen, dass die Küsterin mir ursprünglich absagen wollte, da sie vergaß, dass sie selbst noch beinahe zeitgleich einen Termin hatte. Doch sie nahm sich die Zeit, mir vorher noch alles zu erklären und die Schlüsselrückgabe zu besprechen. Auch die Pastorin, welche ich anfangs mangels Kontaktdaten der Kirchenmusiker mit meinem Anliegen anschrieb, reagierte sofort, herzlich und trotz des aktuellen Trubels in der Gemeinde mit dankenswerter Freundlichkeit. Man merkt einfach, dass es sich um eine lebendige und offene Gemeinde handelt, wobei „lebendig und offen“ nicht als Standartfloskeln bei der Beschreibung von Kirchengemeinden zu verstehen sind, sondern absolut ernstgemeint.

Ich hoffe doch sehr, in absehbarer Zeit einmal wieder nach Langerfeld zurückzukehren. Ich habe schon in sehr vielen Kirchen gespielt, doch ich denke, dass ich jenes Instrument gefunden habe, welches ich schon immer gesucht habe. Nämlich das perfekte Instrument in der perfekten Kirchengemeinde. Vielen Dank an alle, die mir diesen Besuch ermöglicht haben!

Disposition:

I. Schwellwerk II. Hauptwerk Pedal
1. Gambe 8‘ 10. Pommer 16‘ 18. Subbaß 16‘
2. Flöte 8‘ 11. Prinzipal 8‘ 19. Offenbass 8‘
3. Prinzipal 4‘ 12. Rohrflöte 8‘ 20. Gedacktbass 8‘
4. Flöte 4‘ 13. Oktave 4‘ 21. Flöte 4‘
5. Oktave 2‘ 14. Flöte 4‘ 22. Rauschpfeife III
6. Quinte 2⅔‘ 15. Waldflöte 2‘ 23. Posaune 16‘
7. Terz 1⅗‘ 16. Mixtur IV-VI 2‘
8. Scharff IV 17. Trompete 8‘
9. Oboe 8‘
Tremulant
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