Dank sei dem Katholizismus – St. Mariä Empfängnis in Vohwinkel

stmariaeempfaengnisMan wies mich von vornherein darauf hin, dass die Orgel bald wieder gestimmt werden müsse, und die Trompete 8′ kaum noch spielbar sei. Der wunderbare, schalltechnisch lineare Kirchenraum macht jedoch mit seiner wunderbaren Akustik jede Art von Zweifel an der Herrlichkeit der Verschueren-Orgel in St. Mariä Empfängnis in Wuppertal-Vohwinkel wieder wett.

St. Mariä Empfängnis ist Teil der Katholischen Citykirche Wuppertals, und somit neben St. Antonius in Barmen und St. Laurentius Elberfeld eine der täglich geöffneten katholischen Kirchen der Stadt. Dies vereinfacht die Terminfindung zum Musizieren ungemein, man ließ mir einfach nach der Dienstagmorgenmesse die Tür zur Empore aufgeschlossen.

St. Mariä Empfängnis war schon seit einiger Zeit mein favorisierter Ort zum Beten und entspannen, da dort im Vergleich zu St. Laurentius und St. Antonius weitaus weniger Menschen verkehrten; es war möglich, knapp eine Stunde durchzubeten, ohne im Hintergrund das Quietschen fremder Schuhe vernehmen zu müssen. So nahm Ich als Elberfelder fast täglich den weg nach Vohwinkel auf mich, nur um die Ruhe dieser Kirche zu genießen. Dabei erhob sich über meinem Haupt immer ein Instrument, dessen Disposition hier erstmalig veröffentlicht wird. ich wusste nicht, was genau dort auf mich zu kam.

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Der Kirchraum fand schon bei seiner Einweihung große Beachtung

Die Orgel, welche 1972 als erste Orgel der im Jahr 1907 geweihten Kirche von Verschueren (NL) erbaut wurde, ist das einzige Instrument dieses Herstellers in Westdeutschland. Weitere Exemplare in Deutschland finden sich u.A. im Raum Hamburg und Wesermarsch. Sie verfügt über 28 Register mit elektrischen Trakturen und eingeschränkt beweglichem Spieltisch und ist also eine verhältnismäßig kleine Orgel. Viel interessanter ist die Gestaltung der Orgelempore, welche in Architekturkreisen international Beachtung fand. Die neugotischen Zierelemente befinden sich außergewöhnlicherweise auf Kopfhöhe, nicht verborgen im Höhendrang der Gotik. Die Kirche ist durchweg gespickt mit gleichartigen Zierelementen,  welche sich auf den Schall durchweg positiv auswirken.

Die dreischiffige Kirche ist schalltechnisch ein Wunder. Der Nachhall ist gering gehalten, und trotz der Deckenstreben und der langen Seitenschiffe klingt der Schall kein bisschen trocken. Das Schwellwerk verfügt mit den Gedacktpfeifen über ein großes Ensemble an milden Labialpfeifen, wohingegen das Hauptwerk neben simplen Holzgedackten seinen Zenit eher auf die Mixturen und Dulcian legt. Zwar verfügt das Hauptwerk bis auf eine Quintade 16′ über keine 16′-Pfeifen und keine P/I-koppel, aber das Pedal ist glücklicherweise besonderes mild reguliert und daher auch für Laien gut hinnehmbar. Sie bietet somit gerade für ungeübtere Organisten gute Möglichkeiten des komplexen Harmonierens, was durch die gute Akustik des Kirchenraums nur begünstigt wird.

Mein Fazit zu der Orgel kann nur lauten, dass nicht nur die Kirche, sondern auch die Orgel wunderschön, aber glücklicherweise auch „ruhig“ sind und wunderbar „entspannend“sind. …ja, auch die Orgel.

Disposition:

Pedal I. Hauptwerk II. Schwellwerk
1. Prinzipalbass 16‘ 9. Quintade 16‘ 18. Salicional 8‘
2. Subbass 16‘ 10. Prinzipal 8‘ 19. Rohrflöte 8‘
3. Prinzipalbass 8‘ 11. Liebl. Gedackt 8‘ 20. Singend Prinzipal 4‘
4. Gedecktbass 8‘ 12. Oktave 4‘ 21. Spitzflöte 4‘
5. Choralbass 4‘ 13. Blockflöte 4‘ 22. Prinzipal 2‘
6. Flachflöte 2‘ 14. Quinte 2⅔‘ 23. Sifflöte 1⅓‘
7. Rauschbass III 2⅔‘ 15. Oktave 2‘ 24. Sesquialter I-III
8. Posaune 16‘ 16. Mixtur 1⅓‘ 25. Scharff III-IV 1‘
17. Trompete 8‘ 26. Dulcian 16‘
27. Hautbois 8‘
28. Clairion 4‘
Tremulant
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