Bekannte Gesichter in Heckinghausen, und warum Wupperfeld-Gemarke umdenken muss

b7070_aDie Lutherkirche darf am Heidt bleiben, so beschloss das Presbyterium, lieber die Alte Wupperfelder Kirche und die Hatzfelder Kirche zu schließen. Die Kirche meiner Kindheit besticht nicht nur durch ihre imposante Lage, sondern auch durch eine Orgel von Alfred Führer, welche mir bei genauerem Hinsehen doch bekannt vorkam.

Die Geschichte meines Besuches in der Lutherkirche ist nicht nur musikalisch beachtenswert, sondern auch, inwieweit das Denken des Presbyteriums Gemarke-Wupperfeld zukunftsfähig ist.

Mit den Worten „Die kommt mir irgendwie bekannt vor“ begrüßte ich KMD Prof. Joachim Dorfmüller, als ich nach über fünfzehn Jahren das erste Mal wieder die Kirche meiner Taufe betrat. Eine Orgel, welche auf einer Empore über Eck gebaut ist, ist wahrlich eine unverwechselbare Besonderheit, und in ihrer Art auch einmalig in Westdeutschland.

Sechsunddreißig Register erfüllen den massiven Kirchenraum komplett, eine Pianointonierung ist trotz Holzgedackten nicht möglich. Die Orgel ist  zwar seit ihrer Erbauung 1965 kein einziges Mal generalüberholt worden, aber dennoch in gutem Zustand. Man kann dennoch nicht guten Gewissens behaupten, dass man ihr ihr Alter nicht anmerken würde, eine baldige Generalüberholung mit Austausch der Pedalmixtur wird vonnöten sein. Doch fragt man das Presbyterium Wupperfeld-Gemarke nach dementsprechenden Finanzmitteln, wird man nur abgewiesen, und bringt es womöglich noch auf dumme Ideen bezüglich weiterer Finanzplanung.

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Der Kirchenraum gilt als der einzige vollständig erhaltene Kirchenraum der Vorkriegszeit in Wuppertal

Die Schwesterorgel der Stadtkirchenorgel in Jever, so kam mir auch die Lutherkirchenorgel durchaus bekannt vor. Die selben Registerzüge, die selben Manuale, die selbe Disposition, wenn auch nur halb so groß wie die immerhin sechzigregistrige Orgel in Jever, die zweitgrößte der Oldenburgischen Kirche. Da ich vergangenen Sommer bereits ein kleines Privatkonzert in Jever geben durfte, vermittelte mir der Spieltisch der Lutherkirche ein gewisses Gefühl der Heimat. Auch klanglich sind beide Kirchen durchaus vergleichbar, trotz vollkommen unterschiedlicher Kirchsäle. Die Lutherkirche verfügt über einen hellen, großen Saal, welcher dank der kleingefächerten Struktur der Decke den Schall gut reflektiert, ohne störenden Nachhall zu verursachen. In Jever eine vergleichbare Situation, wenn auch mit bedeuten schlechterer Schallverteilung.

Wupperfeld-Gemarke wird umdenken müssen – auch zum Preis der Lutherkirche

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Das Presbyterium beschloss aufgrund sinkender Finanzmittel und einem jährlichen Minus von 250 000 Euro im Jahr, von den vier betriebenen Kirchen eine zu schließen. Eine Schließung der Gemarker Kirche wurde und wird aufgrund ihrer Bedeutung mit der Barmer Theologischen Erklärung  grundsätzlich ausgeschlossen. Die Hatzfelder Kirche war aufgrund ihrer exponierten Lage wichtig für den Stadtteil und die Jugendarbeit der Gemeinde unverzichtbar, die Alte Wupperfelder Kirche war Kirchenmusikalisch ein international beachteter Standort der berühmten Kantorei Barmen-Gemarke, welche seit dem Wirken Winfried Peschs ihren festen Platz an der Weltspitze der Kirchenmusik fand. Ebenfalls aufgrund von Finanzproblemen musste sie 2006 aufgelöst werden und besteht seitdem nur noch als freier Verein mit Sitz in der Immanuelskirche.

Man beschloss, zunächst die Wupperfelder Kirche zu schließen, da die Gemeindemitglieder verwaltungs- und wegetechnisch eine geringe Entfernung zur Lutherkirche hatten. Da dies allerdings das Minus noch immer nicht abdeckte, wurden das angrenzende Gemeindehaus sowie die Hatzfelder Kirche ebenfalls geschlossen. es ergab sich hiermit eine komplett unzureichende Lösung in der räumlichen Planung insbesondere für den Stadtteil Hatzfeld, wobei sich auch die Gemeindemitglieder Wupperfelds hintergangen fühlten. Das Presbyterium beschloss, mit der Gemarker Kirche die kleinste aller Kirchen als Hauptgottesdienststätte für insgesamt 9800 Mitglieder zu nutzen, wobei die Lutherkirche als zweite und letzte verbliebene Kirche nur zusätzlich einen Sonntagsgottesdienst zweimal im Monat anbieten soll.

Ein solch rücksichtsloses Verhalten des Presbyteriums gegenüber den Gemeindemitgliedern stellt finanziell nur vorerst eine Lösung dar, da man schon bald sehen wird, dass eine solch ungenügende Lösung nur zu noch mehr Kirchenaustritten führen wird. Irgendwann wird man auch die Lutherkirche schließen wollen, und dann wird man den größten Stadtteil Wuppertals auf die kleinste Kirche Barmens zusammenzwängen wollen, allein mit der Begründung, dass diese angeblich so bedeutungsvoll sein soll.

Ein Umdenken wird geschehen müssen, sollte die evangelische Hauptgemeinde Barmens noch an einer wirtschaftlichen Zukunft interessiert sein. Ein Umdenken wie folgt scheint aus meiner Sicht das Praktikabelste zu sein:

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Die Alte Kirche Wupperfeld

Zunächst sollte die Wupperfelder Kirche aufgrund ihrer zentralen Lage im Herzen Barmens als Hauptgottesdienststätte genutzt werden. Sie ist aufgrund ihrer Größe und auch ihrer Bedeutung Grund genug für eine Nutzung als Hauptgottesdienststätte.

Die Lutherkirche kann in diesem Fall aufgrund ihrer Entfernung von nur 850 Metern als Gottesdienststätte komplett entfallen, wobei eine Schließung auch möglich und nachvollziehbar wäre. Andere Nutzungsarten, beispielsweise als Konzerthaus sind möglich, aber von der Gemeinde wohl kaum tragbar.

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Die Hatzfelder Kirche

Die Hatzfelder Kirche muss, wenn auch in kleinerem Rahmen, als Gottesdienststätte erhalten bleiben, da ihre exponierte Lage und die schlechte verkehrstechnsiche Anbindung Hatzfelds keine Alternativen für die Gemeindemitglieder zulassen.

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Die Gemarker Kirche

Die Gemarker Kirche ist bei entsprechender Nutzung der Wupperfelder Kirche als Gottesdienststätte so gut wie überflüssig. Sollte ihre Schließung noch immer mit dem Argument der Bedeutung für die Barmer Theologische Erklärung ausgeschlossen sein,  sollte sie, wenn die Bedeutung doch so hoch sei, zur Museumskirche in Trägerschaft des Kirchenkreises oder der Landeskirche Rheinland umgewandelt werden. Auch das Konzept einer Citykirche in Trägerschaft des Kirchenkreises, wie beispielsweise die Alte Elberfelder Kirche, ist denkbar. Einem Verwendungszweck als Hauptgottesdienststätte für 9800 Mitglieder jedoch wird sie nicht gerecht, gleichwie bedeutend sie auch ist.

Die obenstehenden Schritte sind gleichwohl nur eine Option zum Überleben der Evangelischen Kirche Barmens, aber sicher muss sein, dass ein Umdenken in den Kreisen des Presbyteriums vonnöten ist.

Disposition der Führer-Orgel:

I. Pedal II. Rückpositiv
1. Prinzipal 16‘ 10. Pommer 16‘
2. Subbaß 16‘ 11. Bleigedackt 8‘
3. Oktavbaß 8‘ 12. Quintade 8‘
4. Hohlflöte 8‘ 13. Prinzipal 4‘
5. Nachthorn 2‘ 14. Rohrflöte 4‘
6. Mixtur IV-V 15. Nachthorn 2‘
7. Posaune 16‘ 16. Oktav 1‘
8. Trompete 8‘ 17. Sesquialtera II
9. Trompete 4‘ 18. Aliquot II
19. Oboe 8‘
20. Schalmey 4‘
III. Hauptwerk IV. Schwellwerk
21. Prinzipal 8‘ 29. Gedackt 8‘
22. Rohrflöte 8‘ 30. Prinzipal 4‘
23. Oktav 4‘ 31. Blockflöte 4‘
24. Nasard 2⅔‘ 32. Oktav 2‘
25. Waldflöte 2‘ 33. Quinte 1⅓‘
26. Mixtur IV-VI 34. Scharff IV
27. Trompete 8‘ 35. Krummhorn 8‘
27b. Trompete 4‘ Tremulant
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Ein Gedanke zu “Bekannte Gesichter in Heckinghausen, und warum Wupperfeld-Gemarke umdenken muss

  1. Der Bericht beschreibt wie sehr schön, wie sehr auf die Pflege der Kirchen und Orgel geachtet wird, trotz der finanziellen Schwierigkeiten. Wenn der Klang einer Orgel mit dem Raum der Kirche harmoniert, klingt das auf die eigene Art und Weise wunderschön.
    Es ist wirklich ein Jammer, das immer weniger Geld zur Verfügung gestellt wird, da immer weniger Leute in die Kirche gehen. Wie man hier so schön sehen kann, „Geld regiert die Welt“, bedarft es auch hier an viel Geld, um eine Kirche bzw. eine Orgel am Leben zu erhalten, welche der Gemeinde ihr Gesicht und Merkmal verleiht. Der Glaube ist mit der Zeit vom Geld abhängig geworden.

    Gefällt 1 Person

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