Vohwinkel – Kirchentod und Orgelsterben?

hammersteinIm August 2016 wurde die evangelische Kirche an der Goerdelerstraße in Wuppertal-Vohwinkel abgerissen. Übrig blieb eine wundervolle Kirchenorgel mit achtzehn Registern, welche seit der Kirchenschließung auf weitere Verwendung wartet. Im Juli 2016 durfte ich sie spielen, was leider nicht mehr in der Kirche möglich war, sondern nur noch an ihrem aktuellen Standort, der Wuppertaler Trinitatiskirche in der Gebrauchtorgelhandlung. Ein gepflegtes Instrument, dessen letzte Reinigung und Generalüberholung noch 2005 stattfand.

Eigentlich ist es traurig, dass solche Instrumente in heutigen Zeiten an dem seidenen Faden der Kirchensteuer hängen. Geht die Kirche, geht die Orgel meist mit, und heutzutage gehen die Kirchen keine guten Wege. Umso schöner ist es zu wissen, dass dennoch viele Orgeln eine Zukunft haben, wenn auch der Weg meist in katholische Regionen führt, wo auch heute noch Kirchen gebaut werden.

onlineimage
Die Kirche in Hammerstein wurde im August 2016 abgerissen.

Die Strutz-Orgel ist noch 2005 komplett generalüberholt worden, in Zeiten, als noch niemand ahnte, dass zehn Jahre später Schluss sein würde. Es offenbarte sich ein lebendiges Gemeindeleben, wo man merkte, dass den Menschen ihre Kirchenmusik am Herzen liegt. Komplett aus Spenden finanzierte man noch ein zusätzliches Pedalregister, welches heute mit dem gesamten Instrument einem Abriss entkommen ist. Für 39.000€ soll sie weiterverkauft werden.

Gestimmt ist sie. Eine hübsche Disposition, welche sich zwar auf das Nötigste beschränkt, aber dennoch wundervolle Spielmöglichkeiten gibt. Eine Waldflöte ist vorhanden, die Mixturen allesamt gestimmt, und im Juli 2016 wurde das gesamte Oboenregister ausgetauscht. dementsprechend frisch klingt sie, jung, und bereit für ein neues Leben. Bis dahin ist sie Hauptorgel des Instrumentenhandels, und wird gerne vorgeführt.

Sie ist ein trauriges Zeichen, inwieweit die Kirchenmusik von einer lebendigen Kirche abhängig ist. Man darf sich für die Zukunft fragen, ob es in zehn Jahren noch eine klassische Kirchenmusik geben wird. Die Umwidmung von Kirchen in Konzerthäuser mag zwar die schönste und naheliegendste Lösung sein, aber eine Stadt mit zwanzig Konzerthäusern ist sicherlich kein Weg des Überlebens. Hier ist jede Kirchengemeinde auf sich selbst gestellt. Die Orgel ist wohl das heiligste Instrument überhaupt, und es besteht für ein jede Gemeinde die gottgegebene Pflicht, sich von ganzem Herzen für den Erhalt der Kirchenmusik einzusetzen.

Vielleicht trifft man es am ehesten noch mit dem bedeutenden evangelischen Theologen Friedrich Schleiermacher und seinem Ausspruch aus dem Jahre 1802:
content-800

„Die Kirchen waren leer, und verdienten es zu sein, die Theater waren gedrängt voll, und mit Recht.“

Und wo sind wir heute?

Disposition:

I. Hauptwerk C-g3 II. Schwellwerk C-g3 Pedal C-f1
1. Principal 8‘ 8. Gedackt 8‘ 14. Subbass 16‘
2. Rohrflöte 8‘ 9. Blockflöte 4‘ 15. Offenbass 8‘
3. Octave 4‘ 10. Principal 2‘ 16. Hohlflöte 4‘
4. Waldflöte 2‘ 11. Quinte 1⅓‘ 17. Hintersatz IV
5. Sesquialtera II 12. Scharff IV 4‘ 18. Fagott 16‘
6. Mixtur IV-VI 13. Krummhorn 8‘
7. Oboe 8‘ Tremulant
Tremulant
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s