Die versteckte Schönheit von Schöller

schoellerDer dörfliche Wuppertaler Stadtteil Schöller-Dornap ist wahrlich mehr als nur ein Dorf, welches die Kirche bei sich behalten hat. Es ist ein Wunder, wie es eine Gemeinde mit nur 200 Mitgliedern schafft, eine der ältesten Kirchen des Bergischen Landes mitsamt einer doch recht ordentlichen Orgel in heutigen Zeiten zu unterhalten. Sicherlich ist diese nicht sehr groß, und man merkt ihr klanglich das Alter an, doch es ist dennoch ein fantastisches Gefühl gewesen, in dieser kleinen, romantisch im Grünen gelegenen Kirche an einer kleinen, romantisch über einem „Kanzelchen“ gebauten Orgel zu spielen.

Bis zu jenem Herbsttag hätte ich nie gedacht, dass eine Reformierte Gemeinde einem Altlutheraner wie mir so das Herz begeistern könnte.
Ich war und bin fasziniert, erfreut und beeindruckt.

Schöller ist reizvoll. Dort, wo man als Wandersmann nur weite Felder vermuten würde, tut sich ein kleines Dorf auf, was sich vollkommen zu Unrecht hinter dem Dornaper Wäldchen versteckt. Ruhig ist es, aber dennoch gemütlich, ebenso die Pfarrkirche. Man merkt sofort, dass hier die Kirche noch das Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens ist, dementsprechend gut ist auch der Sonntagsgottesdienst besucht.

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Der Orgelprospekt wird geschmückt von Zierpfeifen

Die Pfarrkirche, welche zu den wenigen verlässlich geöffneten evangelischen Kirchen im Bergischen gehört, besticht vor allem mit ihrer erhabenen Erscheinung, hinter einigen hohen Bäumen versteckt. Der Raum ist hell, die Fenster unbunt und eher modern, aber schlicht. Die Orgel ist über der Apsis in einer Nische verbaut, nur wenige Prospektpfeifen deuten überhaupt auf die Größe des Instrumentes hin. Nur ein Manual und Pedal, acht Register, und wenig Bekanntes über ihre Geschichte. So lässt sich die Orgel in Schöller beschreiben. Nachdem man eine äußerst verwinkelte Wendeltreppe hinaufgestiegen ist, merkt man, dass es sich nicht mehr um das neueste Instrument handelt. Sie verfügt über eine Mixtur, welche in diesem kleinen, nachhallosen Kirchraum eigentlich überflüssig ist. Holzgedackte erfüllen ihren Zweck voll und ganz, und die kurzen Mixturen wirken eher wie hoffnungslose und überflüssige Versuche, den Kirchenraum gewaltig zu erfüllen. Auch sind die Mixturen grauenhaft verstimmt, aber darüber sollte man in diesem Fall nicht meckern.

Es ist erstaunlich, dass es in heutigen Zeiten eine ländliche Kirchengemeinde schafft, eine echte, komplett mechanische Orgel zu unterhalten, und diese auch regelmäßig einzusetzen. Sie ist verstimmt und in eher fragwürdigem Zustand, auch findet man als Organist nirgendwo Informationen über sie. Doch man kann von einer evangelischen Gemeinde, welche sogar eine täglich geöffnete Kirche anbietet, heutzutage keine Bachsche Musik verlangen. Vielmehr gilt hier der persönliche Dank einer gemütlichen und freundlichen Kirchengemeinde, welche sich doch mit Engagement einsetzt, ihre Gemeinde als Mittelpunkt des dörflichen Lebens zu erhalten. Und das ist es, was Kirche heutzutage auszeichnen sollte.

Disposition:

Manualwerk C–c3 Pedal C–g1
1. Gedeckt 8‘ 6. Subbass 16‘
2. Principal 4‘ 7. Offenbass 8‘
3. Weidenpfeife 4‘ Pedalkoppel
4. Spillpfeife 4‘
5. Mixtur 1⅓′
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