Wo die Liebe zur Waldflöte begann – Orgeln auf dem Hardenberg

onlineimageSie ist viel zu klein für diese Kirche, und bis 2010 stand sie noch in Hildesheim. Der Wallfahrtsdom in Velbert-Neviges verfügt mit der komplett neuintonierten Stockmann-Orgel über ein wahrhaftes Kunstwerk in Disposition und Saalakustik. Im August 2016 besuchte ich das wohl heiligste Kleinod des Bergischen Landes.Die Orgel des Nevigeser Wallfahrtsdoms ist in jeder Hinsicht ein Schmuckstück. In bestem Zustand, fabelhaft disponiert und in einem Kirchsaal, dessen Akustik wohl nur noch von gotischen Kathedralen übertroffen werden kann. Der Orgelprospekt der modernen 70er-Jahre-Orgel fügt sich zwar mehr als unpassend in den betonlastigen Kirchssaal ein, doch die gekonnte Beleuchtung, welche innerhalb des düstren Gebäudes auch stark vonnöten ist, darf den Betrachter nur beeindrucken.

neviges_mariendom
Von innen noch immer gewaltiger als von außen.

Klanglich fällt als erstes auf, dass es im Prinzip mit keinem Register möglich ist, verhältnismäßig leise zu spielen, ein Rückpositiv wäre da passender. Doch mit geschicktem Registrieren einiger Holzgedackten und natürlich der unverzichtbaren Waldflöte dürfte jeder einigermaßen geübte Organist die passende Kulisse schaffen.

Die Akustik des Kirchraumes ist hervorragend, es gibt kaum hölzerne Elemente oder verwinkelte Ecken, welche den Schall verschlucken könnten. Der nackte Beton darf als kalt aufgefasst werden, verbindet sich aber auf harmonischste Weise mit dem gewaltigen Nachhall, welcher durch geschickte Disposition der Firma Seifert harmonisiert wurde. Der Nachhall hält zwar sehr lange an, auch wird jedes störende Geräusch aus den Reihen der Zuhörer unterhalb der Empore sofort vom Spieler wahrgenommen, doch das einfachste Mittel ist, mit simplen Mixturen jedes Geräusch zu übertönen.

Die Töne an sich überlappen sich im Nachhall nicht, was der Tatsache zu verdanken ist, dass der Hall nicht stockend, sondern fortlaufend ist und sich langsam in den vielen gewölben verliert.So kann man geschickt eine Reihe von gewaltig hallenden Tönen erzeugen, welche dennoch nicht disharmonisch reiben. Mein persönliches Kompliment geht hier noch einmal an die Orgelbauer, welche es mit wirklich fantastischem Geschick geschafft haben, eine angenehme Intonation zu bewerkstelligen, eine Intonation, wie es eine Kirche von solch einer großen Bedeutung auch verdient.

Disposition:

I. Hauptwerk C–a3 II. Schwellwerk C–a3
Seraphonprincipal 16‘ (Aux) Seraphonprincipal 16‘ (Aux)
Bordun 16‘ Seraphonprincipal 8‘ (Aux)
Seraphonprincipal 8‘ (Aux) Rohrflöte 8‘
Principal 8‘ Gamba 8‘
Spitzflöte 8‘ Unda maris 8‘
Seraphonoctave 4‘ (Aux) Seraphonoctave 4‘ (Aux)
Octave 4‘ Principal 4‘
Gemshorn 4‘ Blockflöte 4‘
Quinte 22/3 Nazard 22/3
Octave 2‘ Waldflöte 2‘
Mixtur IV 11/3 Terz 13/5
Tuba 16‘ (Aux) Tuba 16‘ (Aux)
Trompete 8‘ (Aux) Trompete 8‘ (Aux)
Horn 8‘ Clarinette 8‘
Clarine 4‘ Hautbois 8‘
Tremulant Clarine 4‘ (Aux)
  Tremulant

 

Pedal C–f1
Contrabass 32‘
Seraphonprincipal 16‘ (Aux)
Subbass 16‘
Seraphonprincipal 8‘ (Aux)
Octavbass 8‘
Gedacktbass 8‘
Seraphonoctave 4‘ (Aux)
Choralbass 4‘
Pedalmixtur IV 22/3
Contraposaune 32‘
Posaune 16‘ (Aux)
Fagott 16‘
Trompete 8‘ (Aux)
Clarine 4‘ (Aux)
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