Klais in Barmen – Die richtige Orgel in der falschen Kirche

34857764Die Klais-Orgel der katholischen St. Antonius-Kirche in Wuppertal-Barmen mag zwar komplex, umfangreich und sehr gepflegt sein, doch ist sie der perfekte Beweis dafür, wie ein falscher Kirchenraum oder eine sehr dumme Disposition den Klang eines solchen Instrumentes bis aufs kläglichste verstümmeln können. Am 3. September 2016 spielte ich die Orgel, und war negativ überrascht.

st-antonius
Von außen verspricht der imposante Kirchenbau einiges.

Ich durfte mich an jenem Tag erfreut an die zweitgrößte Kirchenorgel Wuppertals setzen (Die Immanuelskirche verfügt mit 54 Registern über die Größte der Stadt, doch die ist wieder eine andere Geschichte), und war dank ausführlichster Auskunft über die Disposition nicht überrascht von der hochtechnisierten Klais-Orgel, welche den typischen Charme einer 70er Jahre-Orgel versprüht. Ziemlich viele Register und eine eindrucksvolle Erscheinung im eher düsteren Kirchenraum, aber dank gekonnt eingesetzter Beleuchtung äußerst würdig erhellt, so präsentierte sich die monumentale Orgel der katholischen Hauptkirche Barmens. Doch nach einigen ersten Registerproben merkte ich, inwieweit sich der hohe und verwinkelte Kirchenraum auf die nicht sonderlich gut ausgerichtete Akustik auswirkte. Der Nachhall war kurz und für ungeübte Ohren eigentlich kaum zu hören, die vielen verwinkelten Deckenelemente schienen den Schall komplett zu verschlucken. Zwar wurden die ersten Proben nur von den Geräuschen der Beichtväter unterbrochen, welche die Beichtstühle abschlossen.

wuppertalst-antonius1973
Die vielen verwinkelten Dachelemente schlucken enorm viel Schall.

Schon nach einiger Zeit merkte ich, dass die enorm trockene Akustik des Raumes ein Spielen des Hauptwerkes unmöglich machte, aslo besann ich mich zurück auf das Rückpositiv, welches zwar ebenso trocken das Ohr erreichte, aber von weitaus angenehmerer Milde begleitet wurde. Mixturen waren unmöglich einzusetzen, auch war leider keine Waldflöte vorhanden.

Die Orgel ist gepflegt und gut gestimmt, doch ein angenehmes Spielen und angemessenes Ausprobieren der Register ist unmöglich. Ich mag dennoch behaupten, dass ich an diese Orgel zurückkehre. Allerdings nur, wenn sich wirklich nichts besseres findet und das Bochumer Audimax abbrennt.

Disposition:

I. Rückpositiv C–g3 II. Hauptwerk C–g3
1. Holzgedackt 8‘ 12. Gedacktpommer 16‘
2. Quintade 8‘ 13. Prinzipal 8‘
3. Praestant 4‘ 14. Rohrflöte 8‘
4. Gemshorn 4‘ 15. Viola da Gamba 8‘
5. Prinzipal 2‘ 16. Quinte 51/3
6. Rohrflöte 2‘ 17. Octave 4‘
7. Quinte 11/3 18. Blockflöte 4‘
8. Sesquialter II 22/3 19. Superoctave 2‘
9. Scharff II 20. Cornett V 8‘
10. Dulcianregal 16‘ 21. Mixtur IV-VI
11. Musette 8‘ 22. Cymbel III
Tremulant 23. Trompete 8‘

 

III. Schwellwerk C–g3 Pedal C–f1
24. Holzprinzipal 8‘ 38. Prinzipalbass 16‘
25. Bleigedackt 8‘ 39. Subbass 16‘
26. Salicional 8‘ 40. Quintbass 102/3
27. Vox coelestis 8‘ 41. Octavbass 8‘
28. Octave 4‘ 42. Gedacktbass 8‘
29. Koppelflöte 4‘ 43. Superoktav 4‘
30. Nasard 22/3 44. Rohrflöte 4‘
31. Schweizerpfeife 2‘ 45. Hintersatz V
32. Terz 13/5 46. Posaune 16‘
33. Sifflet 1‘ 47. Trompete 8‘
34. Mixtur V 2‘ 48. Schalmei 4‘
35. Englisch Horn 16‘
36. Hautbois 8‘
37. Clairon 4‘
Tremulant
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